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Woher weiß ich, ob ich als Scrum Master einen guten Job mache?

Zu Beginn meiner Arbeit als Scrum Master empfand ich es schwer, brauchbares Feedback zu bekommen. Gerade Teammitglieder, deren erster Scrum Master du bist, wissen ja erst mal nicht, was sie überhaupt von deiner Rolle erwarten sollen. Das kann dazu führen, dass du als Scrum Master wenig brauchbares Feedback bekommst und dich selbst und deinen Erfolg nicht einschätzen kannst, was dann wiederum schnell Frust und Unsicherheit über deine Fähigkeiten und Wirksamkeit schüren kann. Keine schöne Situation.

Wie kannst du dir hilfreiches Feedback einholen?

  • Führe Rollengespräche mit  deinem Team durch. So kennst du zumindest die Erwartungen, die da sind und kannst auch auf unrealistische oder unpassende Erwartungen reagieren.
    Leitfragen für solche Gespräche können sein: Was erwartet ihr von einem Scrum Master – was soll euer Scrum Master Wissen, Denken und wie soll sie/er handeln? Was erwarte ich von meinem Team? Was kann mein Team von mir erwarten?
    Das so entstandene Bild wird nicht statisch bleiben und sich mit Erfahrung und Reifegrad des Teams verändern. Darum solltest du solche Gespräche regelmäßig wiederholen und die neuen Erwartungen abgleichen.
    Das kann im übrigen jeder Rolle helfen (Lächeln)
  • Geh raus! Vor allem, wenn du (noch) keine oder ebenfalls unerfahrene Scrum Master Kollegen hast. Suche dir ein Netzwerk, egal ob User Group, Meetup, Twitter, Slack – sprich mit anderen Scrum Mastern.
    Es ist Teil deiner Aufgabe, den Austausch zu suchen und auch mit Kollegen außerhalb deiner Organisation in Kontakt zu treten. Ich selbst habe bisher noch keinen ausgebildeten Scrum Master getroffen, die/der nicht hilfsbereit und neugierig auf „seines-“ oder „ihresgleichen“ reagiert hätte.
  • Hast du Scrum Master Kollegen in deiner Organisation? Bildet eine Community of Practice. Das klingt viel komplizierter, als es ist. Mache einen regelmäßigen Termin mit deinen Kollegen aus und sprecht in diesem über eure Fragen, Probleme etc.
    Zu Beginn kann es helfen, wenn ihr euch auf ein paar Regeln zur Austauschrunde einigt: Welche Themen wollt ihr besprechen? Wollt ihr Aufgaben aus dem Austausch mitnehmen oder nicht? Wollt ihr Ergebnisse für alle in der Organisation transparent machen oder nicht? Welche Themen sollen der Vegas-Regel unterliegen?

Woran messe ich meinen Erfolg als Scrum Master?

Auch nach ein paar Jahren laufe ich noch immer Gefahr, wie oben beschrieben, meine eigene Wirksamkeit und Daseinsberechtigung in Zweifel zu stellen. Das mag ein Stück weit an meinem inneren Nervzwerk Kritiker liegen, zum anderen aber auch daran, dass ich manchmal vergesse, meine Arbeit bewusst zu reflektieren.
Was mir seit neuestem hilft, ist ein Tagebuch, in dem ich meine Beobachtungen zum Team Sprint für Sprint festhalte.

Dabei habe ich 3 Orientierungspunkte:

  • Hält das Team seine Arbeitsweise aufrecht?
    Wenn ich aus längerer Abwesenheit (Urlaub, Krankheit, Weiterbildung….) zurück komme, was finde ich dann vor? Wurden die Teamregeln und Meetings eingehalten? Haben die Teammitglieder sich gegenseitig an die gemeinsamen Absprachen erinnert?
    Wenn jemand von Außen versucht ins Team einzugreifen, wie reagieren dann die Teammitglieder – geben sie zum Beispiel Druck von außerhalb des Teams nach oder besprechen sie sich mit dem restlichen Scrum Team? Hat das Management leichtes Spiel mit ihnen oder funktionieren die verabredeten Mechanismen?
    Wichtig: Hier geht es nicht darum, das Team zu kontrollieren und ihnen Vorwürfe zu machen, sondern viel mehr darum, dieses Verhalten zu beobachten und zu überlegen, welche Systembedingungen dazu führen, dass Dinge noch nicht so funktionieren, wie sie könnten, um echte Verantwortungsübernahme zu ermöglichen.
  • Kommen die Teammitglieder auf mich zu?
    Für mich ist es ein riesiges Lob, wenn Teammitglieder zu mir kommen und mich um Rat bitten. Das zeigt mir ganz klar, dass ich etwas richtig mache, denn ich werde nicht nur als hilfreich wahrgenommen, sondern genieße auch Vertrauen.
    Gerade zu Beginn musst du als Scrum Master zunächst die Initiative übernehmen und dich den Teammitgliedern ein Stück weit aufdrängen. Irgendwann verändert sich das aber und du kannst mehr in die Beobachterposition gehen, denn du merkst, dass die Teammitglieder von selbst auf dich zukommen.
  • Die Gesprächskultur im Team
    Ich mache etwas richtig, wenn die Teammitglieder es schaffen, ihre unterschiedlichen Standpunkte und Meinungen zu respektieren und auszuhandeln. Ziel darf nicht die Gleichschaltung der Teammitglieder sein. Ein Team besteht aus Individuen mit eigenständigen Persönlichkeiten, die lernen müssen, miteinander umzugehen. Nur so können sie optimale Arbeitsergebnisse erreichen.
    Ich bediene mich hier mal eines Zitats, da ich es einfach nicht so gut formulieren kann, wie Katja Keller: Im praktizierten Pluralismus liegt die Chance zur Schaffung eines neues Ganzen, das größer ist als die Summe seiner Teile. Da will ich als Scrum Master mit einem Team hin und das kann ich messen, in dem ich die Diskussionen im Team beobachte: Wird jede Meinung ernst genommen? Werden Bedenken einfach weggewischt? Achtet das Team selbst darauf, dass jeder zu Wort kommt?
    Als Scrum Master kann ich verschiedene Methoden und Techniken anwenden und lehren, die das Team auf dem Weg zum „praktizierten Pluralismus“ unterstützen.

Soweit mal eine Momentaufnahme von mir nach viereinhalb Jahren als Scrum Master.

Welche Erfahrungen hast du bisher gemacht? Wie geht es dir in deiner Rolle? Woran misst du deinen Erfolg?

Ich freue mich über Kommentare und Feedback jedweder Art (Lächeln)

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